01 NOVEMBER 2018, MATTHIAS MEYER, GOOGLE SCHWEIZ

Selbst entscheiden, welche Informationen bei Google geteilt werden

Sicherheit im Internet wird von den Nutzern unterschiedlich eingeschätzt. Wer den Überblick haben möchte, kann im Google Konto einstellen, welche Informationen dem Dienst überlassen werden. Mitentwickelt hat das Tool der Datenschutz-Experte Stephan Micklitz.

 

Manchmal, wenn Stephan Micklitz auf einer Geburtstagsfeier oder einem Sommerfest neue Leute kennenlernt, erlebt er, wie reserviert diese auf seinen Arbeitgeber reagieren. «Wenn ich erzähle, dass ich bei Google arbeite, höre ich häufig den Vorwurf, wir würden zu viele Nutzerdaten speichern», sagt Micklitz in seinem Büro in München, unweit des Hauptbahnhofs. «Ich antworte dann, dass sich die Datenerfassung ja auch abschalten lässt. Aber die meisten glauben mir das erst, wenn sie es selbst ausprobiert haben.»

 

Datenschutz seit 2009

Seit 2007 arbeitet Stephan Micklitz bei Google. Er war einer der ersten Mitarbeiter am Münchner Standort und hat sich früh mit den Themen Online-Sicherheit und Datenschutz beschäftigt. Seit 2010 leitet Micklitz die weltweite Entwicklung entscheidender Google-Produkte für Sicherheit und Datenschutz. Ein Teil von Stephan’s Team arbeitet im Bereich Datenschutz-Infrastruktur bei Google in Zürich. Bereits 2009 veröffentlichte Google sein erstes Datenschutz-Tool, das Google Dashboard. In den Folgejahren kamen weitere Funktionen hinzu: der Konto­inaktivität-Manager zum Beispiel, mit dem seit 2013 jeder seinen digitalen Nachlass bei Google verwalten kann, 2014 der Sicherheitscheck und 2015 der Privatsphärecheck, mit denen Nutzer durch ihre Datenschutz-und Sicherheitseinstellungen geführt werden.

 

Datenerfassung auf Wunsch ausschalten

Im selben Jahr schliesslich folgte eine Anwendung aus einem Guss, die alle Features vereinte: Mein Konto. Die Nutzer hatten nun erstmals eine Anlaufstelle, mit der sie überprüfen konnten, welche Information Google speichert und wo sie auch darüber entscheiden, ob sie die über sie gesammelten Informationen löschen und deren Erfassung ausschalten wollen. Und wer keine personalisierte Werbung sehen möchte, kann auch dies hier kontrollieren. Seit der Einführung wurde Mein Konto stetig verbessert und ergänzt. Allein 2017 verzeichnete es weltweit fast 2 Milliarden Nutzer, von denen 40 Millionen den dort integrierten Privatsphärecheck und sogar 300 Millionen den Sicherheitscheck durchführten.

 

Der Nutzer entscheidet, was praktisch ist

Im Juni 2018 erfolgte eine grundsätzliche Überarbeitung: Aus Mein Konto wurde das Google-Konto. Micklitz erklärt an seinem Smartphone das neue Design von Google-Konto. «Wir wollten den Dienst übersichtlicher und persönlicher gestalten, vor allem für mobile Geräte mit kleinen Bildschirmen», erklärt er mit Blick auf das Display. «Wenn ich den Dienst starte, bietet mir die Software jetzt zum Beispiel die Option an, einen Sicherheitscheck durchzuführen», erklärt der Entwickler. «Ich sehe also hier sofort, ob Google Vorschläge hat, wie ich meine Sicherheit verbessern kann.»

Durch die Analyse der Klicks lassen sich die Dienste verbessern, was viele Nutzer anspreche. «Einige finden es praktisch, wenn ihr Smartphone ihnen Bescheid gibt, sobald es Zeit ist, zum Flughafen aufzubrechen. Andere schätzen die Autocomplete-Funktion der Suchmaschine, also die automatische Vervollständigung eines Suchbegriffs. Wieder andere sind angenehm überrascht, wenn YouTube Videos empfiehlt, die den persönlichen Geschmack perfekt treffen.»

Gerade bei der Privatsphäre gebe es aber keine Einheitslösung, zumal sich die Bedürfnisse der Nutzer auch über die Zeit verändern, ergänzt Stephan Micklitz. «Uns ist wichtig, dass jeder für sich selbst entscheiden kann, welche Informationen er an Google weitergibt. Und so entwickeln wir auch unsere Tools entsprechend immer weiter.»