20. Oktober 2018, Lena Schüpbach, Oliver Wimmer, eDays

Selber fahren oder gefahren werden? Autonome Fahrzeuge sind nicht zu stoppen

 

Eines ist klar: Die Digitalisierung ist nicht mehr aufzuhalten. Warum auch? Wer sich dieser Tatsache verschliesst, verliert den Anschluss. Das gilt selbstverständlich auch für die Automobilbranche. Technische Innovationen wie E-Mobilität und autonomes Fahren stellen die Branche vor neue Herausforderungen – bieten aber auch neue Chancen. Diesem Wandel stellte sich auch die Stadt Zürich, als sie im Juni 2018 Zürichs Strassen für das erste Schweizer Formel E-Rennen freigab. Da es dabei um mehr als Unterhaltung geht, wurde mit den eDays ein vielfältiges Rahmenprogramm angeboten. An einem dieser Anlässe im Vorfeld des Rennens, dem eDays Symposium, sprach Dr. Andrea Censi über die (nahe) Zukunft: selbstfahrende Autos.

 

Tatsächlich erleben wir bereits heute erste Anzeichen der Digitalisierung und Autonomisierung, wenn wir ein neueres Fahrzeug nutzen. Der Spurassistent warnt, wenn wir die Fahrbahn verlassen, und der Notbremsassistent verhindert Kollisionen. Diese Funktionen erleichtern bereits heute unseren Alltag und vor allem machen sie ihn sicherer. Doch die Entwicklung zeigt, dass wir früher oder später gar nicht mehr selber am Steuer sitzen, sondern von der Künstlichen Intelligenz gefahren werden.

Die Vorteile des autonomen Fahrens liegen auf der Hand – für alle Verkehrsteilnehmer und die Umwelt: weniger "verlorene Zeit", weniger Stress, mehr Komfort, mehr Sicherheit, besserer Verkehrsfluss und damit weniger Energieverbrauch. So werden fahrerlose Fahrzeuge auch neue Nutzergruppen wie ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, Kinder usw. an der Mobilität teilhaben lassen und die Attraktivität von Carsharing und Fahrgemeinschaften erhöhen. Doch bis selbstfahrende Autos „losgelassen“ werden, muss die Technologie weiterentwickelt und auf Herz und Nieren geprüft werden.

Dr. Censi und Dr. Tani sind verantwortlich für das Projekt «Duckietown» der ETH Zürich. In ihrem Kurs können die Studierenden die unterschiedlichen Anforderungen des autonomen Fahrens erforschen und Lösungen entwickeln. «Duckiebots» – ausgestattet mit einer Kamera, einem Mini-Rechner, einem Chassis, Rädern und Led-Lämpchen – sind die Mini-Taxiflotte, an der jegliche Alltagssituationen getestet werden. Doch neben den technischen Herausforderungen ist das am leidenschaftlichsten diskutierte «Trolley Problem» die Frage, ob eine Maschine über Leben oder Tod entscheiden darf – und wenn ja, wie sie sich im Fall der Fälle „entscheidet“.

 

Selbstverständlich dürfen auch diese Fragen nicht ignoriert werden. Doch wie die Digitalisierung ist auch das selbstfahrende Auto nicht zu stoppen (natürlich nur im übertragenen Sinn). Deshalb muss sich die Gesellschaft auf die Standards dieser selbstfahrenden Zukunft einigen. Wie die Menschen dazu stehen und welches Fragen sie dabei beschäften, wollen die eDays am Digitaltag im Dialog mit dem Publikum in Zürich herausfinden.

 

Lena Schüpbach, Oliver Wimmer, eDays