12. Oktober 2018, Sarah Stiefel Leiterin Digitale Kommunikation & Transformation SBB AG

Human is the next big thing

 

 

Was bedeutet der Mensch in der digitalen Transformation? Sarah Stiefel, Leiterin Digitale Kommunikation & Transformation bei den SBB, ist überzeugt, dass der digitale Wandel nur gelingt, wenn alle Anspruchsgruppen in den Prozess eingebunden sind. Bei der SBB hat sie deshalb den Menschen als Kernzielgruppe definiert. Denn digitaler Wandel heisst für sie in erster Linie: Menschen befähigen. Lesen Sie hier, wie eine Expertin aus einem grossen Unternehmen die Social Media beurteilt und einsetzt.

 

 

Nach zehn Jahren unterwegs in der Digitalen Kommunikation hat mich rückblickend immer die eine Frage am meisten beschäftigt: Wie verhält sich der Mensch im digitalen Wandel? Wie gelingt es, ein agiles, ethisches Denken zu schaffen, damit Menschen im wirtschaftlichen Umfeld die digitale Transformation aktiv mitgestalten und nicht dem Teufelskreis verbaler Aufgeschlossenheit gefolgt von Verhaltensresistenz verfallen?

Als Yoga-Praktizierende #digitalhippie auf der Suche nach einer besseren Welt

Antworten auf diese Fragen habe ich unter anderem im Silicon Valley beim Anthropologen Chuck Darrah (Artikel sehr lesenswert!) und beim Stanford Professor Fred Turner gefunden. Turner zeigt in einer These und im Buch «Counterculture to Cyberculture» (auf meiner Reading List) die Korrelation der Community-Ideologien der Hippies und der heutigen Tech-Community im Silicon Valley auf.

In diesem Zusammenhang lassen sich vermutlich auch der rasante und zeitgleiche Aufschwung der Yoga-Praktiken und spirituellen Lehren der vergangenen zehn Jahre erklären, wenn auch dieser noch nicht durch Literatur belegt ist. Ich vermute, dass der Ursprung einerseits kulturell in Verbindung mit der Ideologie der kollektiven Bewusstseinserweiterung und Weltverbesserung der Hippies liegt. Andererseits suchen Fachleute in der Technologiebranche einen Ausgleich und eine Entschleunigung. Bedingt durch die rasanten Entwicklungen, die «always on»-Mentalität und die extremen Anforderungen. Schlussendlich betrifft es auch die ganze Gesellschaft, denn wir sind heute fast alle technologiegetrieben, im Speziellen von Social Media.

Ich meinerseits bin seit meiner Reise ins Silicon Valley der Peace & Love-Mentalität verfallen und oute mich seither als Yoga-Praktizierende #digitalhippie. Mein Ziel ist es, Menschen zu unterstützen das Positive in der Digitalisierung zu sehen. Ich möchte dazu ermuntern, möglichst losgelöst von politischen und wirtschaftlichen Rollen, authentisch und mit Freude, Neues zu erschaffen und gemeinsam im Sinne der Sache eine nachhaltige Zukunft zu gestalten. Wichtig dabei ist es, sich mit den Entwicklungen im Rahmen der Digitalisierung auch kritisch auseinanderzusetzen und diese aktiv zu hinterfragen. In meiner Haltung liegt eine gewisse Ambivalenz, dessen bin ich mir sehr bewusst.

#SBBconnect für verbundene Mitarbeitende

Der Mechanismus, über digitale Plattformen Menschen rund um ein Thema zu vernetzen und gemeinsam Neues zu erschaffen, begleitet mich bis heute. Er ist der Kern jeder Online- (und Offline-) Community und integraler Teil der Netzwerk- und Cyberculture.

Dieses Interesse hat dazu beigetragen, bei der SBB ein Projekt zu lancieren, das sich in der Zwischenzeit zu einer Herzensangelegenheit entwickelt hat. Mit #SBBconnect fördern wir im Unternehmen den Dialog und versuchen, Mitarbeitende bei der SBB über alle Abteilungen hinweg miteinander zu vernetzten. Wir wollen sie animieren, über Social Media-Plattformen und anlässlich gemeinsamer Treffen in Kontakt zu treten, zu diskutieren und gemeinsam Lösungsansätze für den stetigen und manchmal schwierigen Wandel zu finden. Es sollen ganz bewusst auch kritische Themen Raum erhalten. Es ist das emotionalste, spannendste und anspruchsvollste Projekt das ich je führen durfte. Mitarbeitende erhalten maximalen Handlungsspielraum und gleichzeitig muss eine strategische Grundlage geschaffen werden.

Bilder: Slides  aus internen #SBBconnect Workshop-Dokumenten

Ohne die aktive Unterstützung des CEOs, das Akzeptieren von Fehlern und eine gelegentlich ungewollte Headline in einer Newsmeldung könnte ich dieses Projekt nicht vorantreiben.

Die Mitarbeitenden sind bei #SBBconnect weder orchestriert noch instrumentalisiert. Wir wollen die Chancen der aktiven Präsenz und Meinungsäusserung der Mitarbeitenden auf den sozialen Medien nutzen. Das ist nicht immer einfach und fordert viel Gelassenheit und Vertrauen.

Bild: Erster #SBBconnect Anlass im November 2017 mit dem CEO

Fotocredits www.christinecaron.ch

Einen Blick-Artikel zur Lancierung des Projektes gibt es hier zu lesen.

Wir alle sind Menschen, die nicht nur arbeiten und die Vernetzung unserer diversen Welten ist sehr spannend. Ich spreche in diesem Sinne gerne von der «Kernzielgruppe Mensch». Das Schärfen des Bewusstseins für die eigene Rolle auf Social Media ist in diesem Kontext fundamental wichtig und muss vom Arbeitgeber unterstützt und gefördert werden.

Wie ein Unternehmen Mitarbeitende in die digitale Kommunikation einbinden und zu Influencern machen kann, ist auch im Facebook-Livestream des IAM live der zhaw «Wenn Mitarbeitende zu Influencern werden – Chancen und Risiken für die Unternehmenskommunikation und Journalismus» zu sehen.

 

Bild: Auszug aus der Präsentation «Digitale Transformation SBB Kommunikation. Meine Reise.»

Die ganze Präsentation für den Social Media Gipfel im September 2018 in Zürich ist auf Slideshare abgelegt. Noch mehr zum Thema gibt es im Video-Statement zu hören und im Bernet PR Blog-Beitrag zu lesen.

Bild:  Social Media Gipfel Zürich September 2018

Fotocredits www.boris-baldinger.com

Im Rahmen meiner MAS-Arbeit Leadership & Change Management, die ich aktuell in Angriff nehme, möchte ich die Wirksamkeit meines selbstentwickelten und im Rahmen des #SBBconnect- Projektes angewandten «Social Media Rollen Coaching Modell» erforschen. Denn ich bin überzeugt, dass Professional Coaching das neue Führen ist. Die Wirtschaft benötigt Leader, die vertrauen und befähigen, nicht Chefs, die befehlen.

Tut es einfach!

Fazit zu meiner digitalen Reise bis zum heutigen Tag und ein paar Ratschläge an alle da draussen, die die Digitale Transformation in Grossunternehmen begleiten: Bleibt euch selbst, schaut auf eure Ressourcen (Change braucht sehr viel Energie!), tut, was zu tun ist und lasst auch manchmal etwas einfach geschehen. «Perfekt» gibt es nicht, Trial & vor allem Error sind zentral und final ist der Weg das Ziel. Wir sind die Übersetzergeneration und werden karrierelang nie ankommen. Doch wir können versuchen die aktuelle «Zeit des Wandels», für möglichst viele, möglichst menschlich zu gestalten.

 

Bild: Slide aus Präsentation «Digital Transformation SBB Kommunikation. Meine Reise»

Social Media Gipfel Zürich September 2018

Ich hätte mir vor drei Jahren beim besten Willen nicht ausmalen können, dass ich eines Tages die Transformation der SBB Kommunikation so stark beeinflussen würde. Ich möchte mit diesen Zeilen anderen Veränderungstreibenden Mut machen, dran zu bleiben und Neues auszuprobieren. Verzweifelt nicht, falls Widerstand aufkommt und euch eine kalte Brise entgegenweht. Widerstand hat auch positive Seiten und löst Mechanismen im System aus, die oft in die nächste Entwicklungsstufe führen.

Bleibt immer konstruktiv, geht davon aus, dass jede/r einen guten Grund für sein Handeln hat und arbeitet mit den vorhandenen Möglichkeiten. Kurz, packt das Ganze mit einer systemischen Grundhaltung an: Alles ist verbunden und hängt zusammen, es gibt unendliche viele Perspektiven auf eine Situation und am erfolgreichsten arbeitet man mit transparenter Kommunikation, Respekt, Unvoreingenommenheit, Interesse und Wertschätzung für einander.

Teasing: Digitaltag 2018 #SBBmindfulness Corner im Bahnhof Zürich

Auch mal runterfahren und bewusst auftanken ist enorm wichtig. Im Rahmen des Digitaltags am 25. Oktober 2018 darf ich seitens SBB eine kleine Grassroot-Pilotaktion starten. Stay tuned auf #SBBmindfulness

In diesem Sinne: Namasté.  

Sarah Stiefel, SBB, Leiterin Digitale Kommunikation & Transformation

 

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Bild: «Aus dem Internet». Autorin unbekannt.