21. September 2018, Isabelle Vautravers, Stiftung Sanitas Krankenversicherung

Digitale Lebensvermessung – Solidarität unter Druck

 

Fitness-Apps, Gesundheitstracker, Ernährungsprogramme: In den letzten Jahren sind die Möglichkeiten, persönliche Daten online zu erfassen, auszuwerten und zu vergleichen geradezu explodiert. Wie beeinflusst das unser Verhalten und was heisst das für den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Eine schweizweite Umfrage zeigt erstaunliche Ergebnisse

 

Die Jeder zweite Erwachsene in der Schweiz zeichnet bereits mit dem Smartphone oder einem anderen tragbaren Gerät Aktivitäten und Zustände seines Lebens auf. Zwei von drei Befragten geht das aber noch nicht weit genug: Sie würden gerne noch mehr Daten automatisch erfassen – solange dies nicht durch Dritte geschieht. So nutzen zwar über 70 Prozent der Befragten kostenlose E-Mail und Instant-Messaging-Dienste, nur 14 Prozent finden es jedoch in Ordnung, wenn ihre Datenspuren als Gegenleistung für die Nutzung von Gratisangeboten verwendet werden. Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage bei der Schweizer Bevölkerung, welches die Forschungsstelle Sotomo im Auftrag der Stiftung Sanitas erstellt hat.

Trotz aller Offenheit gegenüber der digitalen Datenerfassung: Die Befragten sehen die gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung kritisch. Das zeigen die Schlagworte, die die Befragten in diesem Zusammenhang mehrheitlich auswählten: Aus einer vorgegebenen Auswahl entschieden sie sich am häufigsten für Begriffe wie «Kontrolle und Überwachung», gefolgt von «Verlust von Individualität».

Sechs von zehn Umfrageteilnehmern gehen davon aus, dass die fortschreitende Sammlung digitaler Daten einen negativen Einfluss auf die Solidarität innerhalb der Gesellschaft hat. Sie bringen eine Welt der digitalen Vermessung mit Kontrolle, Effizienz und Leistungsdruck in Verbindung. Dies setzt in ihren Augen die Solidarität, aber auch die Eigenverantwortung unter Druck. Gegenmassnahmen müssen deshalb sowohl die Gemeinschaft als auch die Eigenverantwortung stärken. Eine Mehrheit denkt, dass dafür schliesslich weder Staat noch Unternehmen zuständig seien, vielmehr liege die Verantwortung dafür bei jedem und jeder Einzelnen.

Die Stiftung Sanitas Krankenversicherung beschäftigt sich mit wichtigen gesellschaftsrelevanten Fragen aus dem Umfeld der Versicherungen, Gesundheit und Digitalisierung. Die Debatte soll dabei nicht nur von Experten, Politikern oder Wirtschaftsvertretern geführt werden, vielmehr soll auch die Meinung der Bevölkerung einfliessen. Deshalb hat die Stiftung in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle sotomo eine Umfragereihe initiiert. Die Stiftung Sanitas Krankenversicherung plant, die Befragung der Schweizer Bevölkerung zu ihrem Umgang mit der digitalen Lebensvermessung jährlich durchzuführen.

Isabelle Vautravers, Stiftung Sanitas Krankenversicherung

 

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