03.Oktober 2018, Annalisa Job, Adecco Group Switzerland

Automation und Digitalisierung stellen den Arbeitsmarkt Schweiz auf den Kopf

 

Die Vernetzung von Menschen und Maschinen in den Wertschöpfungsketten und Produktionsabläufen wird für eine völlig neue Arbeitswelt sorgen. Innovative Tools erleichtern ganze Arbeitsprozesse und fordern mehr Kopf- als Handarbeit. Der sogenannte „Skill-Mismatch“ zwischen offenen Stellen und bestehenden Profilen verschärft sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels in der Schweiz.

 

Die Digitalisierung und Automatisierung der Arbeitswelt löst Ängste aus, was uns Menschen an Jobs noch bleibt. Fakt ist, Maschinen sind billiger, machen weder Pausen noch Ferien, werden nicht krank, plaudern nicht mit Kollegen und schauen nicht ständig auf das Smartphone.

Die Ängste sind weitgehend unbegründet: Moderne Maschinen und Roboter brauchen den Menschen, viele Menschen sehen sich nach einem weniger repetitiven Job, und die demographische Entwicklung wird den Fachkräftemangel weiterhin verschärfen.

Die Automation und Digitalisierung werden in der Schweiz deutliche Spuren hinterlassen, aber weniger ausgeprägt als in unseren Nachbarländern. Gemäss Ernst & Young sind 52 Prozent der Arbeitskräfte in der Schweiz in wissensintensiven Jobs tätig, die ihre Fähigkeiten, neue Technologien zu adaptieren, bereits unter Beweis gestellt haben und kaum mit einem Jobverlust durch Automatisierung rechnen müssen.

Digitalisierung und Automation bringen in der Schweiz nach einer Schätzung von Ernst & Young allein bis 2025 270'000 neue Jobs. Die damit verbundene Skill- und Jobverlagerung lässt sich nur bedingt mit Einsparung von Personal und Fachkräfte-Migration steuern. Gemäss einer UBS-Studie sollen in der Schweiz in den nächsten 10 Jahren 480'000 Vollzeit arbeitende Personen fehlen. Es kommt zu einem eigentlichen demografisch bedingten Fachkräftemangel. Die Schweiz tut sich doppelt schwer, weil auf dem Arbeitsmarkt praktisch Vollbeschäftigung herrscht.

Bei fehlenden personellen Ressourcen kommen neue Beschäftigungsformen, wie Workforce 4.0 oder Augmented Workforce ins Spiel. Darunter versteht man eine Outsourcing-Strategie, um den Bedarf an benötigter Arbeitsleistung mit entsprechend qualifizierten Fachkräften ausserhalb des Betriebes zu decken. Die Beschäftigung von Freelancer, Kurzzeit-Arbeitskräften oder Crowd-Worker dient der besseren, flexibleren, kostengünstigeren und schnelleren Leistungserbringung und der Nutzung von sogenannter Schwarmintelligenz.

Immer mehr Soloselbständige leben von einzelnen Aufträgen. Für sie muss das Schweizer Sozialversicherungsgesetz angepasst werden. Sonst verliert die Schweiz an Wettbewerbsfähigkeit. Weiter müssen die digitalen Rahmenbedingungen (digitale Signatur & Schnittstellen) verbessert werden, um solche neue Arbeitsformen zu ermöglichen.

Die Schweiz steht am Anfang einer ungewissen Reise in die digitale Zukunft. Um zu bestehen, braucht es eine kontinuierliche Auseinandersetzung und ein scharfes Sensorium für neue Entwicklungen. Der Aufbruch in eine digitale Wirtschaft und Gesellschaft erfordert Mut, sich den Veränderungen zu stellen und verlangt auch die Fähigkeit, sich von lieb gewonnenen und bewährten Strukturen zu verabschieden. Heute fokussiert die Politik und Wirtschaft auf Umschulung. Arbeitnehmer sollten das Unvorstellbare nicht einfach ausblenden, sondern sich im Fluss des Wandels vorwärts bewegen und nicht versuchen, gegen den Strom zu schwimmen.

 

Annalisa Job, Adecco Group Switzerland